Zwei Hände, die ungeschälte Kartoffeln halten, im Hintergrund Karoffeln auf Tellern auf Tischen
Interview mit der Hochschule für Agrar-, Forst und Lebensmittelwissenschaften HAFL

Robuste Kartoffeln im Test

Stephanie Ott
·

Gemeinsam mit IP-SUISSE und dem Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) unterstützt Denner ein Forschungsprojekt der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (BFH-HAFL). In Zusammenarbeit mit der Kartoffelbranche erprobt das Projekt robuste Kartoffelsorten für die Schweizer Produktion. Für Denner ist die Förderung von robusten Sorten eine zentrale Massnahme für den Schutz der Biodiversität und die Reduktion der Treibhausgasemissionen entlang der Wertschöpfungskette – zwei wichtige Aspekte unserer Nachhaltigkeitsstrategie. Im Interview erzählt Stefan Vogel, Mitarbeiter des Forschungsteams an der HAFL über Ziele, Vorgehen und bisherige Erkenntnisse.

Stefan Vogel, Mitarbeiter des Forschungsteams an der HAFL

Worum geht es im Projekt und welche Resistenz-Eigenschaften haben die robusten Kartoffelsorten?
Stefan Vogel:
Im Kern geht es darum, robuste Kartoffelsorten zu identifizieren und in die Praxis zubringen. Mit robusten Sorten sind in hier Sorten gemeint, die weniger anfällig für Kraut- und Knollenfäule sind. Ziel ist es, damit den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im Praxisanbau zu reduzieren. Sorten, die weniger Inputbenötigen, sollen auf die Schweizer Sortenliste aufgenommen werden. Zudem wird versucht, anderen Merkmalen wie beispielsweise der Hitze- und Trockenheitstoleranzmehr Gewicht zu geben. Wichtig ist dabei auch die Konsumentenakzeptanz – optisch und geschmacklich sollen die Sorten den Erwartungen entsprechen. Schliesslich soll das Wissen zum Anbau und Umgang mit robusten Sorten an die Produzentenweitergegeben werden.

Auf welchen Zucht- oder Forschungsansätzen basiert die Entwicklung?
Wir züchten nicht selbst, sondern arbeiten mit Sorten internationaler Züchter. Es werden gezielt Sorten mit vielversprechenden Resistenzeigenschaften ausgewählt, in Vorversuchen getestet und anschliessend unter Praxisbedingungen in das Projekt aufgenommen. Das Projekt läuft nun im dritten Jahr und baut auf zwei ähnlichen Vorgängerprojekten auf. Aktuell vergleichen wir je drei robuste Sorten plus je eine Referenzsorte in zwei Serien – Speise- und Verarbeitungskartoffeln (Frites) – auf je sechs Praxisbetrieben unter reduziertem Fungizideinsatz.

Gibt es schon Daten oder Schätzungen zur Reduktion von Pestizidbedarf und Ernteausfällen?
Untersuchungen aus früheren Projekten haben gezeigt, dass konventionelle Sorten im Schnitt etwa sechs bis achtmalbehandelt werden, während die robusten Sorten mit zwei bis drei auskommen. Es gibt jedoch grosse Jahresunterschiede: In feuchten Jahren steigt der Pilzdruck und damit das Risiko für Krautfäulebefälle deutlich. Insgesamt besteht grosses Potenzial, den Aufwand deutlich zu reduzieren. «Robust» bedeutet aber nicht, vollständig auf Fungizidbehandlungen zu verzichten. Die Resistenz reduziert das Risiko, ersetzt aber nicht alle Anwendungen, weil sie sonst langfristig verloren gehen kann.

Welche Auswirkungen erwartet ihr auf Biodiversität und Nicht-Zielorganismen, und wird das untersucht?
Potenzielle Auswirkungen auf verschiedene Umweltbereiche haben wir bisher erst in einem der Vorgängerprojekteuntersucht und festgestellt: Reduzierte Fungizid‑Einsätze führten zu deutlicher Risikominderung für Oberflächengewässer und Gewässerorganismen.

Unterscheiden sich die robusten Kartoffeln optisch und geschmacklich von herkömmlichen Sorten?
Optisch gibt es Unterschiede wie bei herkömmlichen Sorten auch: Einige robuste festkochende Sorten sind runder statt länglich-oval, andere zeigen teilweise unförmige Knollen oder eine optisch weniger schöne Schale. Geschmackliche Aspekte haben wir bisher noch wenig untersucht. Im Frühling 2026 findet dazu ein Degustationspanel mit 80 Konsumentinnen und Konsumenten statt.


Welche Kriterien werden bei dieser Degustation bewertet und was erwartet ihr?
Geprüft werden festkochende und mehligkochende Speisekartoffeln. Dabeiwerden pro Kochtyp je drei robuste mit einer herkömmlichen Sorte verglichen.Bewertet werden visueller Eindruck roh und gekocht, Geruch, Geschmack, Textursowie Präferenzfragen wie „Würden Sie die Sorte wieder kaufen?“. Unsere Erwartung: bei den meisten Sorten wahrscheinlich keine grossen geschmacklichen Unterschiede, jedoch vielleicht leichte optische Nachteile der robusten Sorten.

Wie sieht esmit Ertrag und Lagerfähigkeit im Vergleich zu etablierten Sorten aus?
Die Erträge der getesteten robusten Sorten liegen tendenziell auf dem Niveau herkömmlicher Sorten. Bei der Lagerfähigkeit gibt es aktuell noch weniger robuste Sorten auf der Sortenliste mit sehr guter Lagerstabilität.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit IP-SUISSE und Denner konkret ab?
Eines der Vorgängerprojekte wurde mit IP-SUISSE umgesetzt; das Nachfolgeprojekt wird von IP-SUISSE weiter unterstützt. Denner unterstützt das Projekt finanziell und insbesondere bei der Steigerung der Konsumentenakzeptanz und Sensibilisierung. Dafür sind nebst dem an der HAFL durchgeführte Degustationspanel auch Verteilaktionen mit Konsumentenumfragen in ausgewählten Denner Filialen nächsten Herbst geplant. Ziel ist eine integrierte Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette — von Produzenten über den Handel bis zum Verbraucher.

Welche Meilensteine fehlen noch bis zur Marktreife und welche Kriterien müssen erfüllt sein?
Entscheidend sind: gesicherte Konsumentenakzeptanz, Mindestqualitätsanforderungen und konsistente Ertragsleistung, das Vertrauen der Produzenten in die Sorten, ausreichend verfügbares Pflanzgut sowie zufriedenstellende Lagerfähigkeit. Sind diese gegeben, ist eine breite Vermarktung realistisch. Weitere Eigenschaften wie zum Beispiel Klimaresilienz oder tiefe Virusanfälligkeit für die Pflanzgutproduktion, dürfen aber nicht vergessen werden. Da aber kaum eine Sorte in allen Eigenschaften glänzt, sind Kompromisse in der Sortenstruktur unvermeidlich.

Stephanie Ott
Stephanie Ott
Stephanie Ott ist Projektleiterin Unternehmenskommunikation bei Denner und schreibt für «Alles auf Zukunft» spannende Stories.

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